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Von Phobien und Pogromen

Das Verhältnis der Deutschen zu ihren Kirchen ist ambivalent. Man könnte auch sagen: schizophren. Der Staat ist weltanschaulich zwar offiziell neutral, aber Religion bleibt öffentliche Angelegenheit, und die Verfassung fördert ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Staat und Kirchen. Dieses sehr eigene, exklusiv deutsche Konzept der „Trennung“ von Staat und Kirche geht auf die Weimarer Verfassung von 1919 zurück und resultiert in einigen aus heutiger Sicht ziemlich problematischen Verflechtungen. Trotzdem geht die  Bedeutung der Amtskirchen stetig zurück, was bei den Verantwortlichen wohl für Nervosität sorgt. Anders sind aktuelle Äußerungen des Kölner Polterkardinals und des römischen Oberinquisitors jedenfalls nicht zu verstehen.

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Ein Armutszeugnis

Annette Schavan hat in ihrer Dissertation im Jahr 1980 unsauber gearbeitet, soviel dürfte unstreitig sein. Die „Affäre“ um Textplagiate in ihrer Dissertation ist aber trotz allem vor allem eines: ein Armutszeugnis für die Heinrich-Heine-Universität.

Öffentliche Konditionierung

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: der Bund zieht sich von der Finanzierung von „Stuttgart 21“ zurück. Damit stellt sich der Eigentümer der deutschen Bahn in eine Reihe mit der Stadt Stuttgart und dem Land Baden-Württemberg, welche beide bereits eine Übernahme der explosionsartig angestiegenen Kosten verweigert haben. Damit scheint genau der Schwachpunkt dem Projekt den Rest zu geben, der von Gegnern des Projekts immer am lautesten kritisiert und von der Bahn stets am vehementesten zurückgewiesen wurde: die wackelige Finanzierung und daraus folgend die höchst zweifelhafte Wirtschaftlichkeit des Projekts. Allerdings ist der Bahnhof nur das jüngste Beispiel für deutsche Großprojekte, die aus dem Ruder laufen: der Wahnsinn hat sozusagen Methode.

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Auch Zombies brauchen Liebe

Der größte Vorteil einer Überraschungspremiere im Kino, wie ich vor längerer Zeit schon einmal feststellte, ist der, dass man Filme zu sehen bekommt, für die man im Normalfall niemals Geld ausgegeben hätte. Der größte Nachteil einer Überraschungspremiere im Kino ist andererseits auch, dass man Filme zu sehen bekommt, für die man im Normalfall wohlbegründet niemals Geld ausgegeben hätte. Der heutige Film namens "Warm Bodies" fiel leider in die zweite Kategorie.

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…oder erschießt ihn gleich.

Nachdem ich im vorherigen Artikel dargelegt habe, warum ich von einer „Korrektur“ bekannter Werke der Kinderliteratur wie Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ oder Otfried Preußlers „Kleiner Hexe“ nicht übertrieben viel halte, auch und gerade weil die Benutzung dieser Wörter einen Blick auf den zeitgeschichtlichen Kontext der Bücher sowie die Geisteshaltung ihrer Autoren freigibt, der keinesfalls gelöscht werden sollte, möchte ich in einem Nachtrag ein Beispiel geben, in dem eine Ersetzung rassistischer Begriffe nicht einfach problematisch ist, sondern einen für seine Zeit hochmodernen, humanistischen Text vollkommen entstellen kann. Die Rede ist (natürlich) von Mark Twains „Huckleberry Finn“.

Versteckt des Pudels Kern!

Das halbe Land diskutiert derzeit mal wieder über die „politische Korrektheit“ in der Sprache. Dieses Mal hat es Kinderbücher erwischt. Ein Verlag hat angekündigt (oder bereits umgesetzt, nicht dass es eine Rolle spielte), in Büchern von Otfried Preußler (u.a. „Die Kleine Hexe“ und „Der Räuber Hotzenplotz“) als problematisch empfundene Formulierungen zu ersetzen. Auch Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf soll „bereinigt“ werden. Die Aufregung ist groß, die einen sehen den Untergang des kulturellen Abendlandes aufziehen, die anderen eine notwendige, aber harmlose Modernisierung von geliebten Texten. Doch beide Argumentationen ignorieren das eigentliche Problem.

Ein Aufschrei allein reicht nicht

Ein älterer Politiker benimmt sich einer jungen Frau gegenüber daneben, doch wird von einer Angestellten an Weiterem gehindert. Viel passiert ist bis dahin zum Glück nicht: schlüpfrige Bemerkungen über die Körperformen der Journalistin, mit der sich der Ex-Minister unterhalten hatte, allerdings auch unerwünschter Körperkontakt. Eine Lappalie ist das eigentlich nicht mehr unbedingt, aber auch nicht gerade versuchte Vergewaltigung, weshalb die Journalistin die Sache wohl seinerzeit auf sich beruhen ließ. Ein Jahr später allerdings erzählt sie davon, quasi als Charakterzeugnis des Mannes, der gerade zum „Spitzenmann“ seiner Partei gekürt wurde. Der Kerl sei ein Gestriger, so ihr eigentliches Argument, und deshalb ungeeignet als Frontmensch einer modernen Partei. Die Reaktionen auf den Artikel konzentrieren sich jedoch ganz und gar auf den männlichen Sexismus, der in jener Hotelbar-Episode offenbar wurde. Doch das gesellschaftliche Problem geht tiefer.

Erniedrigung aus Prinzip

Aktuell geistert durch den deutschen Boulevard die Geschichte der türkischen Omi, die nach 30 Jahren im Land immer noch kein Deutsch kann und jetzt von einem deutschen Gericht in Baden-Württemberg zu einem Integrationskurs verurteilt wurde. Wenn man ein klassisches Beispiel für deutsche Prinzipienreiterei in der Rechtsprechung sucht, wird man hier definitiv fündig.

Dein Freund und Grapscher

Im Allgemeinen habe ich eigentlich eine recht hohe Meinung von Polizisten. Der Job ist anstrengend und ziemlich undankbar, ganz zu schweigen davon, dass er schneller gefährlich werden kann als man sich vorstellen möchte: für einige Zeitgenossen sind Polizisten Freiwild. Unbeliebt zumindest bei denen zu seinen, denen sie Grenzen aufzeigen muss, gehört natürlich zum Job, und die meisten Polizisten leben damit und mögen ihren Beruf trotzdem. Die meisten Polizisten sind außerdem seriös und tatsächlich darum bemüht, den Menschen zu helfen und: dabei den Rahmen der Legalität nicht zu verlassen (auch wenn das manchmal frustrierend sein mag). Die meisten. Eine Gruppe von Ordnungshütern in Süddeutschland hat allerdings wohl einige zentrale Aspekte ihrer Berufsbeschreibung überlesen.

Schwein gehabt(?)

Ich hatte die Geschichte zwischenzeitlich nicht mehr weiter verfolgt, bin aber gerade wieder darüber gestolpert: der Indizierungsantrag des Bundesfamilienministeriums gegen das Stück "Gloria" von Joachim Witt war anscheinend nicht erfolgreich. Ob das nun ein Glück oder Unglück ist, liegt im Auge des Betrachters.

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