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Aktualisiert: vor 44 Minuten 18 Sekunden

Video: Und sie ist doch flach!

Fr, 18. 08. 2017

Ein Video, das sehr anschaulich zeigt, wie beim Thema “Flache Erde” Satire und postfaktische Realität kaum noch unterscheidbar sind:

(Spoiler: Es ist Satire.)

Zum Weiterlesen:

  • Glaube an Scheibenwelt: Flachwitz, SPON am 13. August 2017
  • Video: So erklären “Flat Earther” die flache Erde, GWUP-Blog am 1. Juli 2017
  • Der ärgerliche Mythos des Glaubens an die flache Erde, Psiram am 4. August 2017

Wahlprüfsteine: Was sagen die Parteien zu Themen aus dem Bereich Forschung und Bildung?

Fr, 18. 08. 2017

Interessant:

Mehrere naturwissenschaftliche Fachgesellschaften haben sich zusammengetan und die Parteien in Deutschland rund einen Monat vor der Bundestagswahl zu ihren wissenschaftspolitischen Einstellungen befragt.

Dazu legten sie CDU, SPD und Co einen Fragebogen vor, der unter anderem auf die Themen Bildung, Gleichberechtigung, Klimaschutz und Energiewende eingeht.”

Die Antworten gibt’s im Blog der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV).

Auch ganz nett:

Misslungene Formulierungen und abwegige Forderungen”

in den Wahlprogrammen der Parteien, zum Beispiel:

Die Steinzeit endete, obwohl es noch unzählige Steine gab – und das fossile Zeitalter muss enden, obwohl es noch jede Menge Kohle, Gas und Öl im Boden gibt.“

Zum Weiterlesen:

  • Bundestagswahl 2017: Wie stehen die Parteien zur Wissenschaft? spektrum.de am 18. August 2017
  • Parteiprogramme im Faktencheck, spektrum.de am 17. August 2017
  • Wissenschaft, Erkenntnis und ihre Grenzen, Spektrum der Wissenschaft 8/2017
  • Wissenschaft im Zeitalter der (Post)Moderne, salonkolumnisten am 18. August 2017
  • Fakten? Egal! salonkolumnisten am 6. August 2017
  • Koordinierungsrat säkularer Organisationen KORSO verschickt Wahlprüfsteine, hpd am 9. August 2017
  • Sie lesen keine Wahlprogramme? Sie verpassen was, Welt-Online am 12. August 2017

Podcast: Das glückliche Händchen und andere kognitive Verzerrungen

Fr, 18. 08. 2017

Die Schweizer Skeptiker haben den zweiten Teil der neuen Podcast-Serie “Kognitive Verzerrungen” veröffentlicht:

Wir alle denken, tagein, tagaus. Meistens denken wir dabei automatisiert und schnell. Das macht vielfach Sinn, aber es ist auch ein Problem, denn unser automatisiertes Denken beruht auf kognitiven Verzerrungen.

Wir müssen, um rational zu sein, diese Cognitive Biases kennenlernen: Erst, wenn wir uns unserer Denkfehler bewusst sind, können wir rationaler werden.

In Folge 60 von skeptisCH geht es um vier kognitive Verzerrungen, die alle mit Wahrscheinlichkeiten zu tun haben: Die Conjunction Fallacy, die Base Rate Fallacy, die Gambler’s Fallacy und die Hot Hand Fallacy.”

Zum Weiterlesen:

  • skeptisCH – Folge 60: Kognitive Verzerrungen, Teil 2, skeptiker.ch am 16. August 2017
  • Neue “skeptisCH”-Serie: Kognitive Verzerrungen, GWUP-Blog am 4. August 2017
  • Kognitive Verzerrung: Warum sich Menschen gerne überschätzen, spektrum.de am 10. August 2017
  • Warum wir nicht glauben, was uns nicht passt, spektrum.de am 7. August 2017

Zwangsprostitution, Voodoo- Zauber und das Strafrecht

Do, 17. 08. 2017

Die Ärztezeitung und der Stern (34/2017) berichten heute über ein Thema, um das es auch im Skeptiker 4/2016 ging:

Wir sprachen damals mit der Rechtswissenschaftlerin Dr. Verena J. Dorn-Haag von der Universität Augsburg über die juristischen Aspekte von Strafdelikten im Bereich der Esoterik.

Aus aktuellem Anlass hier das vollständige Interview:

Skeptiker: Das Amtsgericht in Hamburg-St.-Georg hat gerade eine Hellseherin zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung und finanzieller Wiedergutmachung verurteilt.

Die Dame hatte von einer Klientin aus der Schweiz 322 000 Euro kassiert, weil sie über ein spirituelles Energiefeld Kontakt zum damaligen Lebensgefährten der Kundin herstellen und ihn so dazu zu bewegen könne, die Frau aus Bern zu heiraten. Hat aber nicht funktioniert.

Es ist also schwierig, aber nicht unmöglich, im Bereich Hexerei und Magie eine strafrechtliche Verurteilung zu erreichen?

Verena J. Dorn-Haag: Unmöglich – nein. Schwierig – ja. Und zwar deshalb, weil der Tatbestand des Betrugs Vorsatz erfordert. Wenn eine Hellseherin davon überzeugt ist, dass sie eine sogenannte unmögliche Leistung wirklich erbringen kann, ist sie dem Gesetz nach keine Betrügerin.”

Ist das nicht ziemlich absurd?

Vor einigen Jahren haben vereinzelte Stimmen vorgeschlagen, fahrlässigen Betrug unter Strafe zu stellen. Dann hätte schon ausgereicht, dass eine Hellseherin selbst erkennen müsste, dass sie die behaupteten Fähigkeiten nicht besitzt und nichts bewirken kann.

Aber letztendlich wäre dieser Nachweis genauso schwierig zu führen gewesen.

Andere haben vorgeschlagen, die finanzielle Ausnutzung des Aberglaubens unabhängig von einer Täuschungsabsicht der vorgeblichen Hexe oder des Magiers in speziellen Strafnormen zu sanktionieren.”

Heute ist es praktisch so, dass eine Hellseherin vor Gericht selbst zugeben müsste, dass sie eine Betrügerin ist, um verurteilt zu werden. Dass das nie passieren wird, sollte doch auch dem Gesetzgeber klar sein, oder?

Das Einzige, was das Gericht machen kann, ist, über Indizien zu gehen. Also zu fragen: Was spricht denn möglicherweise für Vorsatz?

Wesentliche Kriterien dafür sind, ob zum Beispiel eine Hellseherin oder Astrologin sich an den anerkannten Verfahrensweisen ihrer Zunft orientiert – also etwa an astrologischen Regelwerken, unabhängig davon, wie untauglich diese auch sein mögen. Wenn sie das nicht getan hat, sondern eine willkürliche Fantasiemethode praktiziert, könnte das ein Indiz dafür sein, dass sie selbst gar nicht an solche Praktiken glaubt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das finanzielle Interesse. Wechseln, wie bei dem Fall in Hamburg, 322 000 Euro den Besitzer, spricht das durchaus für eine Betrugsabsicht. Insbesondere dann, wenn das Opfer immer wieder zu Zahlungen aufgefordert wird.”

Bei dem Prozess in St. Georg war zudem von Manipulation und Abhängigkeit die Rede. Die Hellseherin soll ihrer Klientin gedroht haben: Wenn sie das Geld bis Mitternacht nicht bekommt, dann ist die spirituelle Beeinflussung weg und der gewünschte Lebenspartner auch.

Genau, ein Abhängigkeitsverhältnis spielt bei solchen Verfahren ebenfalls eine große Rolle. Aber immerhin lässt unsere Rechtsprechung die Vorspiegelung einer Partnerzusammenführung mit übernatürlichen Mitteln als justiziable Tatsachenbehauptung zu.

In der Rechtswissenschaft gibt es Stimmen, die genau das verneinen und gar nicht erst von Betrug reden wollen, wenn jemand Geld für eine objektiv unmögliche Leistung bezahlt.”

Wer den Schmarrn glaubt, ist selber schuld?

So ungefähr. Viele Kolleginnen und Kollegen meinen, dass jemand, der sich nicht an den geltenden Rationalitätsstandards orientiert, den Schutz des Staates durch das Strafrecht nicht verdient.

Ich finde das aber nicht richtig, da es an der Realität vorbeigeht. Der Täter spiegelt dem Opfer aktiv falsche Tatsachen vor. Er nutzt den hieraus resultierenden Irrtum des Opfers erfolgreich für seine finanziellen Zwecke aus. Warum sollte der Aberglaube des Opfers den Täter entlasten, wenn dieser doch gerade den Aberglauben des Opfers bewusst ausnutzt?

Das Opfer hat daher aus meiner Sicht nicht die Pflicht, sich gegen den sogenannten Okkulttäter zu schützen.”

Was möchten Sie denn mit Ihrer Arbeit konkret bewirken?

Dass auch die Rechtswissenschaft sich mit dem Thema beschäftigt. Wie schon gesagt sind die Gerichte bei Betrugsprozessen in Sachen Hexerei und Magie meist auf Indizien angewiesen.

Deshalb finde ich es wichtig, dass Juristen davon Kenntnis haben, wie solche Delikte überhaupt passieren, wie Täter und Opfer ticken, in welchem Milieu sich das Ganze abspielt. Das könnte helfen, um sachgerecht beurteilen zu können, was nun Vorsatz ist und was nicht.”

In Ihrem Buch findet sich das Zitat, es sei „unmöglich, etwas Irrationales in die dürre Gedankenwelt von Juristen zu bringen“.

Damit wollte ich zum Ausdruck bringen, dass man ganz oft an seine Grenzen stößt, wenn man versucht, Sachverhalte, die völlig irrational sind, unter trockene Deliktsvoraussetzungen zu fassen. Wenn etwa eine Frau vor Gericht erklärt, sie sei eine Hexe – ist das dann rein juristisch als Tatsachenbehauptung zu werten? Oder als Täuschung?”

Die FAZ hat das in einer Rezension Ihrer Arbeit schön zusammengefasst:

„Ist der Versuch eines Verbrechens strafbar, wenn dazu Mittel eingesetzt werden, die einem rational denkenden Menschen als abwegig oder untauglich erscheinen? Darf jemand zur Notwehr oder Nothilfe greifen, wenn er subjektiv eine Gefahr annimmt, über den man objektiv bestenfalls den Kopf schütteln kann? Wird man betrogen, wenn man ein Vermögen für eine Leistung opfert, deren Erbringung ein verständiger Mensch von vorneherein nur in der Fabelwelt erwartet hätte?

Wird man genötigt, wenn man mit einem Zauber bedroht wird, obschon das in Aussicht gestellte Übel allenfalls deshalb Angst einflößt, weil es kulturelle Vorprägungen gibt, die dem Normalsterblichen Gott oder Vernunft sei Dank erspart geblieben sind?“

Exakt solche Fragen sind mit dem juristischen Handwerkszeug sehr schwierig zu erfassen. Das ist auch der Grund, weshalb die Jurisprudenz überwiegend davor zurückschreckt, das Thema wissenschaftlich anzugehen. Dabei ist die Praxisrelevanz mehr als evident, zum Beispiel bei den sogenannten Voodoo-Prozessen, die zunehmend Schlagzeilen machen.

Dabei geht es darum, dass Menschenhändler Frauen aus Afrika hier in Deutschland mit Voodoo-Flüchen und Zauberei zur Prostitution zwingen. Das Erschreckende ist, dass dieser Hokuspokus tatsächlich besser wirkt als die Androhung von Schlägen und ähnlichem.

Hier kommen wir also definitiv nicht weiter, wenn wir den Opfern nur dann eine Schutzwürdigkeit zubilligen, wenn sie sich nach unseren Maßstäben rational verhalten.”

Warum führt man nicht einfach den alten Gaukeleiparagraphen wieder ein?

Der Gaukeleiparagraph hat in einigen landesrechtlichen Polizeistrafgesetzbüchern recht lange existiert. In Baden-Württemberg wurde der Gaukeleitatbestand erst 1970 abgeschafft. Bis dahin war es in der Tat möglich, einen Täter zu verurteilen, auch wenn dieser lediglich subjektiv auf die Erlangung eines Entgelts beziehungsweise Vorteils abzielte, ohne dass tatsächlich ein Vermögensschaden beim Opfer entstand. Es spielte keine Rolle, ob der Täter selbst daran glaubte oder nicht, und die Justiz musste daher keine Täuschungsabsicht nachweisen.

Damals hätte man zum Beispiel eine Astro-TV-Beraterin umstandslos vor Gericht bringen können – auch unabhängig vom Leistungsinhalt, egal, ob sie nun ganz konkret eine Partnerrückführung verspricht oder nur vage die Sterne zu den Chancen einer Versöhnung befragen will.

Dann kam man aber zu der Überzeugung, dass es zu weit geht, jegliches Verhalten, das Allgemeinbelange gefährdet, mit repressiven Mitteln zu bekämpfen. Das kann ich auch nachvollziehen.”

Inwiefern?

Ich plädiere nicht für eine Ausweitung des Strafrechts. Ich denke nicht, dass der Staat alle Lebenssachverhalte mit den Mitteln des Strafrechts regeln muss. Mein Ziel ist es, Wissenschaft und Praxis für die rechtlichen Probleme im Umgang mit dem Übersinnlichen zu sensibilisieren.

Mein Appell geht an die Rechtswissenschaft, dabei die Rechtswirklichkeit im Blick zu behalten und sich zu fragen, ob es wirklich immer sachgerecht ist, im Bereich der Hexerei und Magie primär auf rein objektive Realitätserwartungen abzustellen und so eine Bestrafung des fraglichen Verhaltens abzuschneiden.”

Wie schätzen Sie die Erfolgsaussichten ein?

In einer Rezension für die jurablogs hat eine Richterin geschrieben, mein Buch solle in keiner staatsanwaltlichen und gerichtlichen Bibliothek fehlen. Das Weitere bleibt abzuwarten.”

Zum Weiterlesen:

  • Verena J. Dorn-Haag: Hexerei und Magie im Strafrecht. Mohr Siebeck, 474 Seiten, 99 €
  • Voodoozauber und Gaukelei, Skeptiker 4/2016
  • Herausforderung für unsere Rechtsordnung: Voodoo-Flüche und magische Eheanbahnung, GWUP-Blog am 13. Dezember 2016
  • Wie Menschenhändler mit Voodoo Frauen unterdrücken, Ärzte Zeitung online am 17. August 2017
  • Frauen auf dem Weg nach Europa: Die nächste Hölle wartet schon, n-tv am 13. August 2017
  • Minderjährige mit Voodoo-Ritual zur Prostitution gezwungen, diepresse am 10. August 2017

CSICON-Video: „A Conversation with James Randi”

Do, 17. 08. 2017

Noch ein Gespräch mit James Randi, diesmal bei der CSICON in Las Vegas:

In a “fireside chat” with Skeptical Inquirer editor Kendrick Frazier, James Randi recalls how he had been approached as a possible leader of a group that would later become CSI and CFI.

The 88-year old mentalist also shares his thoughts on Isaac Asimov, Johnny Carson, Carl Sagan, and other influential figures in the skeptic movement.”

Zum Weiterlesen:

  • TED Talk mit James Randi, GWUP-Blog am 15. August 2017
  • Interview mit James Randi: “Der Don Quixote des Rationalismus”, GWUP-Blog am 10. Juli 2017
  • “Ein bisschen Show”: Interview mit James Randi im Skeptiker, GWUP-Blog am 17. März 2017

„Absurde Gegenwehr“? Plusminus befeuert weiter die große Methadon-Verschwörung

Mi, 16. 08. 2017

plusminus (heute Abend, 21.45 Uhr, ARD) gefällt sich anscheinend noch immer in konspirologischem Geraune:

Dabei ist mittlerweile klar, dass bloße Pharma-Schelte in diesem Fall zu kurz greift – unter anderem die Deutsche Schmerzgesellschaft sowie die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie warnen vor “unrealistischen Erwartungen” und “falschen Hoffnungen”, was den Einsatz von Methadon in der Krebstherapie angeht.

Wenn gesagt wird, dass die pharmazeutische Industrie ein Projekt nicht unterstützt, weil es kein Geld bringt, dann ist das ein Klischee, das sicherlich häufiger mal zutrifft, aber nicht generell zutrifft”,

erklärte auch Wolfang Becker-Brüser, Herausgeber und Chefredakteur des industrieunabhängigen arznei-telegramm und Mitbegründer von Gute Pillen – schlechte Pillenim BR.

Die FAZ schreibt dazu in der gedruckten Ausgabe vom 2. August (online nur bei FAZ+):

In Deutschland gibt es klare Regeln für die Verordnung eines Wirkstoffs. Wirksamkeit und Unbedenklichkeit müssen für die entsprechende Anwendung geprüft worden sein.

Eine solche Prüfung gibt es für die potentielle Anti-Tumor-Wirkung des Methadons nicht, und niemand kann vorhersehen, wie sie ausgehen würde, wenn es entsprechende Studien gäbe.

Eine Verordnung ohne Zulassung, ohne klaren, evidenzbasierten Beleg für die Wirksamkeit eines Medikaments in dieser Indikation und ohne Einbindung in eine klinische Studie macht Patienten zu Versuchskaninchen. Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften lassen auch keinen Zweifel daran, dass die derzeitige Datenlage nicht ausreicht, um damit individuelle Heilversuche außerhalb der bestehenden Zulassung für Methadon zu rechtfertigen.”

Der Arbeitskreis Tumorschmerz der Deutschen Schmerzgesellschaft verweise darüber hinaus auf das schwere Nebenwirkungspotenzial von Methadon, zu dem eine Unterdrückung der Atmung und lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen zählen.

Allerdings habe die öffentliche Debatte dafür gesorgt, dass bei der Deutschen Krebshilfe eine klinische Phase-I/II-Therapiestudie beantragt worden ist. Das Begutachtungsverfahren sei eingeleitet worden, schreibt die Deutsche Krebshilfe in einer Erklärung.

Es bleibe abzuwarten, ob die Studie gefördert werde oder nicht. Das hänge vom Votum der Gutachter und der Entscheidung der Deutschen Krebshilfe ab.

In der Süddeutschen Zeitung vom 8. August (online nur bei SZplus) konstatiert Dr. Werner Bartens, dass “die aufgeheizte Debatte nur Verlierer kennt”.

Bartens kritisiert in dem Artikel auch die Vorgehensweise der plusminus-Redaktion:

Versuche wie jene von Friesen werden im Labor jedes Jahr tausendfach angestellt, um neue Krebsmittel aufzuspüren. Fast 99 Prozent dieser frühen Studien schaffen es aber nicht einmal in die klinische Erprobung oder scheitern dann kläglich – weil sich die Befunde aus dem Labor eben nur selten auf das Leben von Kranken übertragen lassen.

Es ist die Regel, nicht die Ausnahme: Die Substanz, die im Mäuseversuch oder im Reagenzglas so vielversprechende Ergebnisse liefert, zeigt bei Patienten dann keinerlei Wirkung oder schadet sogar.

Nur lässt sich diese ernüchternde Bilanz nicht so gut als Fernsehbericht verkaufen. Die Geschichte vom unterdrückten Heilmittel, für das eine unbeugsame Forscherin gegen den Willen von Pharmaindustrie und Ärzten zum Wohle der Kranken kämpft, ist da schon attraktiver.”

Bartens erinnert daran, dass der Erkenntnisweg in der Medizin, ob etwas hilft und wirksam ist, Zeit und Mühe braucht. Abkürzungen seien von zweifelhaftem Nutzen:

In den 1990er-Jahren haben Aids-Aktivisten darauf gedrängt, noch nicht ausreichend getestete Medikamente früher für die Behandlung zuzulassen. In den 2000er-Jahren hat die Industrie Brustkrebs-Selbsthilfegruppen unterstützt, die seinerzeit vehement neue Medikamente und das flächendeckende Mammografie-Screening gefordert haben.

Ein Gewinn für die Patienten lässt sich auch im Nachhinein nicht eindeutig belegen.”

Der Medizinredakteur bedauert insbesondere den Riss zwischen Ärzten und Patienten, der …

… einen beachtlichen Misstrauensvorschuss gegenüber den Medizinern ans Licht bringt, statt sie als Verbündete im Kampf um die Heilung zu sehen. Viele Laien und Patienten sehen in der Ankündigung der Studie nur eine Verzögerungstaktik auf Kosten der Kranken.

Und viele Ärzte sind bei dem bereits verfügbaren Wissen über Methadon skeptisch, dass jemals ein Heilmittel für Krebspatienten daraus wird.”

Solche nüchternen Einwände denunziert plusminus allen Ernstes als “absurde Gegenwehr”.

Absurd.

Zum Weiterlesen:

  • Methadon: Unterdrückt die Pharmaindustrie ein günstiges, wirksames Krebsmedikament? GWUP-Blog am 20. Juni 2017
  • Kann Methadon Krebszellen besiegen? Bayern 2 am 24. Juli 2017
  • Kann Methadon Krebspatienten helfen? Volle Kanne (ZDF) am 26. Juli 2017
  • Methadon: Wundermittel gegen Krebs? Süddeutsche am 24. Juli 2017
  • Gute Medikamente, böse Pharma, NZZ am 18. Juli 2017
  • Nein zu Methadon in der Krebstherapie, orf.at am 17. Juli 2017
  • Onkologen: Methadon-Euphorie unbegründet, apotheke-adhoc am 15. Juli 2017
  • Mediziner lehnt Methadon in der Krebstherapie ab, Deutschlandfunk Kultur am 23. Juni 2017

Gedanken lesen, die Zukunft voraussagen: „Die Tricks der Wahrsager“ bei Stern TV

Mi, 16. 08. 2017

Heute Abend bei Stern-TV (RTL, 22.15 Uhr):

Wahrsager versuchen nur, den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen, indem sie behaupten, sie könnten ihnen Antworten auf Lebensfragen geben oder Kontakt mit Toten aufnehmen”, sagt Mentalmagier Christoph Kuch.

Und er weiß genau, wie sie das machen. Kuch ist für seine Show-Tricks weltberühmt, er nutzt psychologische Eigenheiten der Menschen und mathematischen Erkenntnisse, um zu verblüffen. Er möchte damit unterhalten, andere Magier nennen sich Medium, Wahrsager oder Lebensberater, schauen in Glaskugeln oder legen Karten – und nehmen für ihre “Dienstleistungen” nicht selten dreistellige Beträge.

stern TV hat solche selbsternannten Hellseher zusammen mit Christoph Kuch besucht und sie mit versteckter Kamera entlarvt. Die haarsträubenden Wahrheiten erfahren Sie in der Sendung am Mittwochabend.”

Zum Weiterlesen:

  • “Mein Horoskop stimmt immer!” – Ja und? (Mit vielen Links zum Thema Wahrsagen/Cold Reading), GWUP-Blog am 4. Mai 2013
  • Erstaunlich, was Hellseher so alles über eine Person wissen, die gar nicht existiert, GWUP-Blog am 9. Juni 2015
  • Hellsehen mit Twitter und Co., GWUP-Blog am 21. November 2013

Die PSI-Tests in Sat.1

Mi, 16. 08. 2017

Noch ein Bericht über die PSI-Tests:

Mit einer Wünschelrute erkennen, ob Strom in einem Kabel fließt? Alexander Mörsdorf ist überzeugt, dass er diese Fähigkeit besitzt.”

Zum Weiterlesen:

  • Wurd’s in Würzburg wunderlich? Die PSI-Tests der GWUP 2017, Ruhrbarone am 15. August 2017
  • Psi-Test an der Universität Würzburg: Gibt es Beweise für übersinnliche Kräfte? Tagesspiegel am 12. August 2017
  • Phänomen Paranormal, tz am 1. August 2017
  • PSI-Tests 2017 der GWUP: Die geheime Kraft der Wünschelrute ließ zu wünschen übrig, GWUP-Blog am 9. August 2017

Schon wieder Weltuntergang. Schon wieder „Nibiru“. Schon wieder totaler Quatsch

Di, 15. 08. 2017

Anscheinend schlägt die gegenwärtige globale Lage den Apokalyptikern mal wieder heftig aufs Gemüt.

Jedenfalls steht der nächste Weltuntergangstermin kurz bevor: Im Oktober soll der geheimnisvolle Wanderplanet “Nibiru” mit der Erde kollidieren.

Derselbe, der uns schon 2012 in den Orkus befördern sollte, aber auch 2014 bei der WISE-Himmelsdurchmusterung nirgendwo ausfindig zu machen war.

Nichtsdestotrotz glaubten Ende 2014 immer noch zehn Prozent der Befragten einer US-Studie daran, dass der ausgebliebene Weltuntergang 2012 noch stattfinden werde. Und solche Phantastereien sind nicht ungefährlich, wie der Selbstmord einer fünfköpfigen Familie in Utah zeigte.

Derzeit heischt der Verschwörungstheoretiker David Meade nach Aufmerksamkeit für seine planvolle Angstmacherei.

Möglicherweise hat Meade zu oft “Melancholia” gesehen, der diese Vorstellung …

… und deren Folgen immerhin eindrucksvoll in Szene setzt.

Bei dieser Leinwand-Inszenierung wird es allerdings auch bleiben, denn einen Planeten “Nibiru” gibt es nach wie vor nicht, erklärt der Astronom Dr. Florian Freistetter in seinem Blog:

  • Nein, es gibt keinen Killer-Planeten!
  • Nein, die Welt geht nicht unter!
  • Nein, die NASA bestätigt die Existenz so eines Planeten nicht!
  • Wirklich nicht!
  • Echt nicht! Auch wenn’s im Internet steht. Nur weil irgendwo irgendwas im Internet steht, ist es deswegen nicht automatisch richtig!
  • David Meade ist ein religiöser Verschwörungstheoretiker, kein Astronom!
  • Die Welt geht nicht unter!
  • Echt nicht!

Man kann es dem Science Buster nicht verdenken, dass er langsam leicht genervt auf diesen Quatsch reagiert:

Das Einzige, was helfen würde, wären kluge Menschen. Wenn die Menschen auch nur ein klein bisschen Ahnung von Astronomie hätten, von Physik, von Naturwissenschaft, wirklich nur ein kleines bisschen, dann würden sie selbst erkennen, dass das, was die erbärmlichen klickgeilen Angstmacherzeitungen ihnen einreden wollen, nur Unsinn ist.”

Das nächste Buch der Science Busters wird also in jedem Fall im Herbst erscheinen. Es heißt übrigens

Warum landen Asteroiden immer in Kratern?”

Zum Weiterlesen:

  • Fake News bei “Sputnik” & Co: “NASA bestätigt Existenz von Killer-Planet Nibiru”, Astrodicticum simplex am 13. August 2017
  • Nibiru-Update im Skeptical Inquirer, GWUP-Blog am 6. November 2009
  • Was machen Apokalyptiker, wenn die Welt nicht untergeht? Einfach so weiter, GWUP-Blog am 4. Dezember 2015
  • Die Psychologie der Apokalypse, GWUP-Blog am 1. Mai 2013
  • Weltuntergang: Selbstmord aus Angst vor dem Tod, GWUP-Blog am 2. Februar 2015
  • Die Erde wird in diesem Jahr zerstört: “Die Elite bereitet sich schon auf das Ende vor”, chip.de am 3. August 2017
  • Weltuntergang: Kollidiert die Erde am 5. Oktober mit “Planet X”? Astrodicticum simplex am 7. Januar 2017

TED Talk mit James Randi

Di, 15. 08. 2017

TED Talk mit James Randi (mit deutschen Untertiteln):

Der legendäre Skeptiker James Randi nimmt eine tödliche Dosis homöopatischer Schlaftabletten auf der Bühne und tritt damit eine glühende 18-minütige Anklage des irrationalen Glaubens los. Er fordert die Hellseher auf der ganzen Welt heraus: Beweisen Sie, dass das, was Sie tun, echt ist, und ich gebe Ihnen eine Million Dollar.”

Zum Weiterlesen:

  • Wurd’s in Würzburg wunderlich? Die PSI-Tests der GWUP 2017, Ruhrbarone am 15. August 2017
  • Psi-Test an der Universität Würzburg: Gibt es Beweise für übersinnliche Kräfte? Tagesspiegel am 12. August 2017
  • „Ein bisschen Show“: Interview mit James Randi im Skeptiker, GWUP-Blog am 17. März 2017

Krebs: „Alternativmedizin tötet“

Di, 15. 08. 2017

Passt irgendwie zusammen:

Der Heilpraktiker Klaus R., gegen den der Vorwurf der fahrlässigen Tötung in drei Fällen und fahrlässigen Körperverletzung in zwei Fällen erhoben wird, kann anscheinend munter weiter praktizieren:

Derweil zeigt eine amerikanische Studie im Journal of the National Cancer Institute, dass Krebspatienten, die auf “alternative” Verfahren setzen, ein weitaus höheres Sterberisiko aufweisen als Patienten, die sich einer wissenschaftsbasierten Behandlung unterziehen.

Forscher der Yale University analysierten die Daten von 280 “AM”-Patienten (Alternativmedizin) und 560 “CCT”-Patienten (“conventional cancer treatment” = Chemo-, Strahlen-, Hormon-Therapie etc.).

Im Ergebnis betrug die 5-Jahres-Überlebensrate bei den “AM”-Patienten 54,7 Prozent, bei den “CCT”-Patienten 78,3 Prozent.

Dabei ergaben sich große Unterschiede zwischen den einzelnen Krebsarten. “AM”-Patienten mit Lungenkrebs zum Beispiel haben ein zweimal höheres Sterberisiko als “CCT”-Patienten. Brustkrebs-Patientinnen, die sich auf “Alternativmedizin” verlassen, tragen ein fünffach höheres Sterberisiko als CCT-Patientinnen.

Ausführlich diskutiert wird die Studie bei Science-Based Medicine und IFLScience. Trotz ihrer Aussagegrenzen ist das Fazit eindeutig:

Angesichts des unfassbaren Behörden-Theaters um Klaus R. kann man dem Science-Blog Gesundheits-Check nur zustimmen:

Die Politik ist gefragt, hier einen Rahmen zu setzen, der die Patienten schützt. Unterlassene Hilfeleistung ist keine gute Politik. Sprechen Sie im Restwahlkampf die Politiker an ihren Straßenständen einmal darauf an, vielleicht wird der eine oder andere doch nachdenklich.”

Zum Weiterlesen:

  • Heilpraktiker darf trotz Todesfällen von Krebspatienten weiter behandeln, stern.de am 14. August 2017
  • Die Hyaluron-Party ist vorbei: Drei tote Patienten einer alternativen Krebsklinik in NRW, GWUP-Blog am 5. August 2016
  • Alternative medicine kills cancer patients, Science-Based Medicine am 14. August 2017
  • Cancer Patients Who Turn To Alternative Medicine Are 2.5 Times More Likely To Die, IFLScience am 14. August 2017
  • Politische Korrosionsschäden der evidenzbasierten Medizin, Gesundheits-Check am 15. August 2017
  • Krebsforscher: Finger weg von “komplementären” Verfahren, GWUP-Blog am 7. Januar 2015
  • Mistel und Ginko in der Krebstherapie? GWUP-Blog am 13. Mai 2011
  • Australische Wissenschaftler warnen vor ,,Alternativmedizin” bei Krebserkrankungen, GWUP-News am 8. März 2013

„Du bist mein Nichts und Alles“: Wie Homöopathen flirten

So, 13. 08. 2017

Nach #Hahnemovie gibt es einen weiteren Twitter-Hashtag, der sich eher ironisch mit dem Thema Homöopathie befasst:

#Wie Homöopathen flirten

Ach meine Zuckerschnute …

Zum Weiterlesen:

  • Homöopathie – das rote Tuch, GWUP-Blog am 11. August 2017
  • Homöopathie – The Movie: „Stirb langsam“ oder „Gib dem Affen Zucker”? GWUP-Blog am 29. Juni 2017
  • Apothekenpflicht und Erstattung: So regeln andere Länder die Homöopathie, DAZ.online am 8. August 2017
  • Ringvorlesung Homöopathie: Von Wissenschaft und Glauben, Gesundheits-Check am 21. Juli 2017

Umzug erneut

Sa, 12. 08. 2017

Wir müssen leider wieder Wartungsarbeiten durchführen. Der Blog ist weiter sichtbar, jedoch gehen Kommentare ab jetzt verloren. Sobald die Arbeiten fertig sind verschwindet dieser Beitrag wieder.